Schrägdächer

Nachträgliche Wärmedämmung
von Schrägdächern

Schrägdächer über beheizten Räumen machen bei Ein- und Zweifamilienhäsuern 15 bis 35 % der Wärme übertragenden Gebäudehülle aus. Bei hohen Gebäuden ist ihr Flächenanteil kleiner. Sind Schrägdächer ungedämmt oder nur wenig gedämmt, fließt über sie unnötig viel Wärme nach außen ab. Durch eine nachträgliche Wärmedämmung ungedämmter oder nur wenig gedämmter Schrägdächer kann man die Heizkosten und CO2-Emissionen eines Hauses erheblich verringern.

In Häusern mit komplett ausgebautem Dach geht das Wärme übertragende Schrägdach bis zum First hoch (linke Skizze). Bei Häusern mit nicht ausgebautem unbeheiztem Dachraum gehen es  nur bis zur obersten Geschossdecke (rechte Skizze). Wurde oder wird ein Dachraum erst nachträglich ausgebaut, können Schrägdächer im unteren und oberen Teil verschiedene Aufbauten haben. Dann muss neben dem Aufbau jeder Schicht auch deren Verbindungen durchdacht werden.

Folgende Tabelle zeigt die U-Werte sowie die Höhe der Wärmeverluste und der Heizkosten in einem und in 40 Jahren für verschieden dick gedämmte Schrägdächer bei 100 m² Größe und 7 Ct/kWh Wärmepreis. Man erkennt daraus leicht den Nutzen zusätzlicher Dämmung von Schrägdächern.

Möchte man zinsgünstige Kredite und/oder Zuschüsse der KfW-Bank nutzen, die bei Einzelmaßnahmen 10 % und bei Maßnahmenpaketen 15 % der Investitionskosten bertagen können, muss bei der Sanierung von Schrägdächern ein U-Wert von maximal 0,14 W/m²K erreicht werden. Saniert man das ganze Haus zu einem KfW-Effizienzhaus, können für die förderfähigen Komponenten der Gebäudehülle und Haustechnik bis zu 30 % Zuschuss gewährt werden (=> mehr).

Schrägdächer sind meist Holzkonstruktionen. Bei ihrer energetischen Sanierung muss neben dem Wärmeschutz auch der Feuchteschutz beachtet werden. Je nach Innenbekleidung, Luftdichtung, Lage der Wärmedämmung, evtl. Belüftungschicht, evtl. Schalung, evtl. Unterdach und Eindeckung können verschiedene Maßnahmen möglich, nötig oder auch schädlich sein. Man kommt daher nicht umhin, sich sorgfältig mit diesen Fragen zu beschäftigen.

Die folgenden Skizzen zeigt eine Typologie älterer Schrägdächer mit unterschiedlichen Innenbekleidungen, Füllungen und Außenbekleidungen:

Zeilen 1-5 zeigen fünf übliche Innenbekleidungen und Luftabdichtungen.

Zeile 1: Schrägdächer ohne Dämmung, Füllung und Innenbekleidung. Dieser Zustand ist gegeben, wenn Schrägdächer von innen saniert werden und bereits alle Innenbekleidungen entfernt wurden oder wenn bisher innen unbekleidete Schrägdächer z.B. in bisher nicht ausgebauten Dachräumen erstmals von innen gedämmt und bekleidet werden sollen.

Zeilen 2 und 3: Schrägdächer mit Innenbekleidung aus Putz auf Putzträger. Dies war bis etwa 1965 die übliche Innenbekleidung. Zeile 2 zeigt Aufbauten, die außer dem Innenputz keine oder nur 2-4 cm Wärmedämmung im Balkenzwischenraum haben, was für Baujahre bis 1970 typisch war. Zeile 3 zeigt Aufbauten mit Innenputz und Ausfachung aus Bims-Leichtsteinen, wie sie bis 1965 vor allem in Gegenden mit Bims-Vulkangestein vorkommen.

Zeile 4: Schrägdächer mit innen Holzvertäfelung und dahinter einer aluminiumkaschierten Glaswollmatte. Dies war etwa ab 1965 und bis 1985 üblich. Diese Innenbekleidungen sind wegen falscher Verarbeitung der Alufolie oft stark luftundicht .

Zeile 5: Schrägdächer mit innen Gipskarton-Bekleidung und dahinter einer separaten Luftdichtungs- und Dampfbremsbahn aus PE-Folie oder Baupappe sowie Dämmung. Diese Bauweise ist seit etwa 1985 üblich.

Zeile 6 (ganz rechts):  Schrägdach mit innen Sichtbalken und Sichtschalung sowie außen liegender Dampfbremse und Dämmung. Solche Schgrägdächer findet man häufig in Süddeutschland.

Spalten 1-4 zeigen vier üblichen Unterdächer und Eindeckungen, die mit den vorgenannten Innenbekleidungen kombiniert sein können:

Spalte 1:  nur Dacheindeckung auf Lattung ohne zusätzliches Unterdach. Dies ist die bis etwa 1970 typische Außenbekleidung in nicht stark windbelasteten Gebieten. Bei solchen Dächern ohne Unterdach kann bei Regen und Flugschnee Feuchte eindringen und den Dämmstoff benässen.

Spalte 2: Dacheindeckung mit nicht diffusionsoffener und deshalb unterlüfteter Unterdachbahn, die hier als durchgehende rote Linie eingezeichnet ist. Diese Bauweise kommt seit etwa 1900 mit bituminierten Pappen und seit etwa 1965 auch mit Folien vor. Bei hoher Dampfbremswirkung der Unterdachbahn muss eine Unterlüftung des Unterdaches zur Feuchteabfuhr erhalten bleiben. Deshalb ist nicht die ganze Höhe des Sparrenzwischenraums für Dämmung nutzbar.

Spalte 3: Dacheindeckung mit diffusionsoffenem Unterdach, das hier als gestrichelte rote Linie eingezeichnet ist. Diese Bauweise ist seit etwa 1990 im Neubau und bei Neueindeckungen älterer Häuser üblich. Das Unterdach ist meist eine diffusionsoffene Folie oder Baupappe oder eine Holzweichfaserpatte. Hier kann der ganze Sparrenzwischenraum mit Dämmstoff verfüllt werden, da die Austrocknung nach außen durch Diffusion erfolgen kann. Ein Luftspalt unter dem Unterdach ist i.d.R. nicht mehr nötig. Nötig ist aber eine funktionierende innere Luftdichtungsschicht.

Spalte 4: Dacheindeckung mit hartem Unterdach, z. B. aus Holzschalung. Dies wurde meist aus Windschutzgründen oder zur stabilen Unterfangung einer weichen Dachhaut gebaut, z. B. bei Papp-, Kupfer- oder Schieferdächern. Auf solchen Schalungen können dampfdichte Teerpappen oder auch diffusionsoffene Bahnen verlegt sein. Dies kann dann dieselben Probleme aufwerfen wie bei den in Spalte 2 und 3 dargestellten Aufbauten.

Bei der energetischen Sanierung eines Schrägdachs kommt es außer auf den guten Wärmeschutz auch auf die dauerhafte Trockenheit aller Holzbauteile und Dämmstoffe an. Dazu bedarf es der Vermeidung von drei verschiedenen Formen des Feuchteeintrags, die in der folgenden Skizze dargestellt sind:


Linke Skizze: Feuchteeintrag durch Regen oder Schnee; diese wird durch eine dichte Dachhaut und das Unterdach abgehalten.
2. Skizze von links: Feuchteeintrag durch Luftströme, die von innen nach außen durch den Dämmstoff gehen. Hiergegen hilft die luftdichtende Schicht des Dachaufbaus, die meist innenseitig der Dämmung liegt.

3. Skizze von links: Feuchteeintrag durch Diffusion, wenn die Diffusionsoffenheit der inneren Bekleidung der Dämmschicht größer ist als die der äußeren. Grundregel ist, dass stets weniger Feuchte von innen in den Dachaufbau hinein diffundieren können soll als nach außen abtrocknen kann. Dazu müssen die inneren Schichten stärker dampfbremsend sein als die äußeren.

Die Vorgehensweise bei der nachträglichen Dämmung eines Schrägdachs hängt vor allem davon ab, ob das Dach von außen (z.B. wg. nötiger Neueindeckung) oder von innen (z.B. wg. Erneuerung des Innenausbaus) geöffnet werden soll oder ob es von keiner Seite geöffnet werden soll und nur im Hohlraum verfüllt werden soll. Diese drei Herangehensweisen werden im Folgenden auf drei getrennten Seiten dargestellt:

=>  Nachträgliche Wärmedämmung eines Schrägdachs von außen:
=>  Nachträgliche Wärmedämmung eines Schrägdachs von innen
=>  Nachträgliche Wärmedämmung eines Schrägdachs nur im Hohlraum

 

 

 2. Nachträgliche Wärmedämmung eines Schrägdachs von innen:

Die folgende Übersicht zeigt Varianten zur nachträglichen Wärmedämmung von Schrägdächern bei Sanierung von innen, ausgehend von den anfangs beschriebenen Grundbauarten. Dabei ist jeweils angenommen, dass die äußere Dacheindeckung und Lattung so bestehen bleibt, wie vorhanden.

Spalten 1-5 zeigen in einer für alle Dachbauarten gleichen Weise verschiedene Wärmedämm-Varianten. Sie unterscheiden sich in Dämstärke und Konstruktion des Hohlraums bzw. Befestigung des Dämmstoffs. Alle haben unterseitig eine neue durchgehende Luftdichtungs- und Dampfbrems-Schicht (blau gestrichelt).

Spalte1 zeigt jeweils den Ausgangszustand, Spalte 2 eine Dämmung nur des Sparrenzwischenraums und zwischen den Gipskarton-Latten, Spalte 3 eine aus Holz gefertigte unterseitige Aufdoppelung, Spalte 4 eine mit Leichtbauträger hergestellte untere Aufdoppelung und Spalte 5 eine unterseitige Dämmung aus durchgehenden Hartschaum-Dämmplatten.

Zeilen 1-4 zeigen die vier maßgeblichen Dachbauarten, die sich hier nur in ihrer äußeren Dachbekleidung unterscheiden, was deren Regenschutz und Diffusionsoffenheit betrifft.

Zeile 1 zeigt ein Dach ohne Unterdach. Da ein Unterdach zum Schutz vor Regen und Flugschnee gerade bei älteren Dächern wünschenswert ist, ist für diesen Fall bei allen vier Dämmvarianten die nachträgliche Montage einer diffusionsoffenen Unterdachbahn von innen dargestellt. Diese ist vereinfacht als leicht durchhängende Unterdachfolie eingezeichnet, die in jedem Sparrengefach eine „Regenrinne“ bildet. Diese Rinnen müssen am jeweiligen Unterende ihr Wasser nach draußen oder in eine (notfalls innere) Regenrinne oder in ein Fallrohr ableiten.

Zeile 2 zeigt ein Dach mit dampfdichtem Unterdach, z.B. aus leicht durchhängender Teerpappe. Hier ist zur Feuchteabfuhr eine Unterlüftung auch nach der Dämmung nötig. Der nötige Querschnitt des Luftspalts hängt von der Länge der Dachschräge ab. Meist genügen 3 cm unter der Teerpappe.

Zeile 3 zeigt ein Dach mit diffusionsoffenem Unterdach. Hier kann Dämmung bis direkt unter das Unterdach eingebaut werden. Je nach Diffusionsoffenheit des vorhandenen Unterdachs muss die untere Dampfbremse stärker oder schwächer ausfallen.

Zeile 4 zeigt ein Dach mit Unterdach aus Holzschalung und darauf liegender Unterdachbahn. Ist die Unterdachbahn dampfdichte Teerpappe, bleibt eine Unterlüftung nötig wie bei Zeile 2. Ist die Unterdachbahn diffusionsoffen, ist wie bei Variante 3 vorzugehen.

 

Im folgenden sind Bilder einiger beispielhafter Schrägdach-Dämmungen von innen dargestellt und ihre Besonderheiten kurz erläutert:

Bild 5 zeigt ein nur innenseitig geöfnetes Dach ohne Unterdach, bei dem eine innere Aufdoppelung der Sparren durch eine 6 cm hohe Auflattung erfolgte. Dadurch entstand ein Hohlraum von 22 cm Tiefe für die neue Dämmung. Wegen der Steilheit des Daches und der Ziegelart wurde hier kein Regen- oder Schneeeintrag befürchtet, so dass auf ein Unterdach verzichtet wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild 6 zeigt einen ähnliches, von innen geöffnetes Dach mit innerer Längs-Aufdoppelung der Sparren durch eine an Distanzstücken montierte Latte. Hier wurde auch ein inneres Unterdach nachgerüstet, das aus einer bituminierten Holzweichfaserplatte besteht, die leicht U-förmig durchgebogen in die Gefache eingebaut wurde und am Unterende das Wasser bis über die Außenwand abführt.

 

 

 

 

 

Bild 7 zeigt einen nachträglich von innen gedämmten Dachraum, bei dem die Dämmschichten und die neue innere Dampfbremse und Luftdichtungsbahn – hier eine transparente Folie – gerade eingebaut sind und jetzt die Lattung für den Gipskarton montiert wird.  Etwa zu diesem Bauzeotpunkt fand hier auch die Luftdichtheitsmessung statt (=> mehr)

 

 

 

Bild 8 zeigt ein nachträglich von innen gedämmtes Schrägdach, bei dem in den aufgedoppelten Hohlraum nach der Montage der inneren Luftdichtungsbahn Zellulosedämmung eingeblasen wird. Dieses Einblasen geht realtiv schnell. Mit Einblastechnik lassen sich normale rechteckige,  genauso gut aber auch auch schräge, krumme oder keilförmige Hohlräumen gut fugenfrei verfüllen. Sie müssen dazu nach außen, unten und oben dicht sein. Als Einblasdämmstoff für Dächer kann außer Zellulose auch Steinwolle vewendet werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Nachträgliche Wärmedämmung eines Schrägdachs nur im Hohlraum

Soll ein ungedämmtes oder nur sehr wenig gedämmtes Schrägdach weder von außen noch von innen geöffnet werden, gibt es unter bestimmten Umständen auch die Möglichkeit, den Hohlraum zwischen den Sparren ohne Bauteilöffnung mit einer Einblasdämmung zu verfüllen.

Bild 9 zeigt eine Einblasdämmung, die vom Dachboden aus eingebaut in Dämmstoffsäcke eingeblasen wurde. Die ca 4 m langen Dämmstoffsäcke waren anfangs aufgerollt und wurden durch Lufteinblasen dazu gebracht, sich abwärts aufzurollen, wonach sie sich in den Sparrenhohlraum des darunter liegenden Schrägdachs im Obergeschoss einfügten. Diese Ausroll- und Aufpludertechnik funktioniert nicht immer perfekt, insbesondere, wenn Spitzen von Nägeln oder Schrauben in den Sparenzwischenraum ragen oder andere Hindernisse wie z.B. zusammengesackte Mineralwollmatten den Hohlraum verstopfen. Die Anwendbarkeit dieser Technik hängt auch von der Innenbekleidung und der Dachhaut ab. Direkt unter Ziegeln ohne Teerpappe darunter und direkt über einem luftdicht verputzten Innenausbau funktioniert relativ gut. Über einem Inennausbau mit undichter Holzvertäfelung kann sie dagegen auch keine Luftdichtheit bewirken. Und unter dampfdichten Dächern ist sie nciht möglich, weil sie den nötigen Belüftungsspalt verstopft. Um den Feuchteschutz der eingeblasenen Dämmung zu verbessern, gibt es solche Säche auch mit unterschiedlichen Oberflächen innen und außen. Raumseitig ist es ein stark dampfbremsendes Material; zum Dachziegel hin dagegen ein diffusionsoffenes.

Das zweite Bild zeigt eine Perlite-Schüttdämmung , die vom Dachboden aus zwischen die Dachschrägen geschüttet wurde. Hier besteht das Risiko, dass rieselfähige Dämmstoffe ständig nach unten oder durch Fugen der Dachziegel herausrieseln. Bei einem Ausschäumen der Hohlräume besteht die Rieselgefahr dagegen nicht. Jedenfalls entfällt aber die Unterlüftung der Dachziegel. Die Dämmstoffe müssen daher wasserunempfindlich und möglichst auch  wasserabweisend sein.

 

 

Das dritte Bild zeigt ein Schrägdach mit Holzschalung unter dem Unterdach, auf dem außen eine dampfdichte Teerpappe liegt.  Hier wurde zur Sicherstellung der nötigen Unterlüftung  dieser Holzschalung zunächst eine Hartfaserplatte mit Distanzlatten eingebaut und nur der verbleibende Zwischenraum mit Steinwolle-Einblasdämmung verfüllt. So konnte immerhin eine 8-10 cm dicke Dämmschicht nachträglich eingebaut werden.

 

Insgesamt ist erkennbar, dass es bei fast allen vorkommenden Dachbauarten sichere Möglichkeiten gibt, hohen Wärmeschutz im Winter, guten Hitzeschutz im Hochsommer und sicheren Feuchteschutz für Holz und Dämmstoffe zu erreichen, wenn man vorher die Gegebenheiten und Randbedingungen sorgfältig analysiert.

Die nachträgliche Wärmedämmung ungedämmter oder nur wenig gedämmter Schrägdächer ist vor allem dann rentabel, wenn das Dach ohenhin neu eingedckt oder wenn der Innenausbau ohnehin erneuert wird. Esterebenswert sind dabei Dämmstärken von 26-40 cm. Steht keine solche „Sowieso“-Maßnahme an, kann man abwägen, ob eine vorgezogene Neueinndeckung oder nur eine Hohlraumverfüllung – soweit ohne Bauteilöffnung möglich – vorgenommen weden soll.

Die Beispiele sollen Leser auch dafür sensibilisieren, dass gerade bei Holzbauteilen eine recht komplexe Abwägung erfolgen muss, wie man vorgehen möchte. Gerne bieten wir Ihnen hierzu für Ihr Haus eine umfassende Beratung mit Inspektion vor Ort an (=>mehr).

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