PV-Erfahrungen

Strom selbst mit PV erzeugen

In Detmold gibt es bereits viele Photovoltaikanlagen, mit denen Strom erzeugt wird. Ältere Anlagen speisen ihren Strom oft nur ins öffentliche Netz ein, neuere nutzen den selbst erzeugten Strom ganz oder teilweise selbst. Die Kosten und Einspeisebedingungen, Zuschüsse und Besteuerung ändert sich regelmäßig. Wieviel Sonne in Detmold scheint und wieviel Strom mit solchen Anlagen in Detmold gewonnen werden kann, kann man anhand von Anlagen präzise ermitteln, die ihre Erzeugung protokollieren und die Daten bereit stellen. Im übernächsten Absatz werden Kosten und Nutzen unserer PV-Anlage in Detmold in der Sachsenstraße 27 beschrieben.

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PV und Wärmepumpe

Im letzten Drittel meines Video „Weg von Öl und Gas – aber wie?“ berichte ich über Optimierungs-möglichkeiten des Zusammenspiels von PV und einer Wärmepumpe in Verbindung mit einem Heizwasserspeicher in meinem eigenen Passivhaus. Da mein Haus untypisch klein sowie extrem Energie sparend gebaut ist, passt meine Auslegung von PV, Wärmepumpe und Heizwasserspeicher nicht auf andere Einfamilienhäuser in „üblicher“ Bauweise. Der Grundgedanke, PV-Überschüsse nicht nur einzuspeisen oder in teuren Batterien als Strom, sondern in einem billigen Stahltank als Wärme zu bevorraten, ist aber auch für ander Gebäude interessant. Einige Hersteller „normal großer“ Wärmepumpen bieten dafür sogar schon gute Regelungen an, z.B. dieser.

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PV-Batteriespeicher ?

Als Lektüre zum Thema PV+Batteriespeicher empfehlen wir die beiden ausführlichen Vergleichsstudien der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin:
HTW-Stromspeicher-Inspektion-2021
HTW-Stromspeicher-Inspektion-2022

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Eigene PV-Erfahrung seit 2014

Auf unserem Gebäude in der Sachsenstraße ist seit Herbst 2013 eine PV-Anlage installiert. Seit Juni 2014 läuft dort eine Verbrauchserfassung, die in eine für Jedermann zugängliche Datenbank einspeist.

Hier finden Sie die Basisdaten dieser Anlage sowie die Tagesleistungskurven und Ertragsdaten ab 26.06.2014.

Die PV-Anlage in der Sachsenstr. 27 in Detmold hat folgende Merkmale:

  • Das Dach und die PV-Anlage haben 30° Neigung.
  • Das Dach zeigt nicht genau nach Süden, sondern weicht etwa 25° Richtung Westen ab.
  • Die PV-Anlage ist ganz oben unterhalb des Firsts montiert und wird von den Nachbarhäusern fast nie verschattet.
  • Die PV Anlage hat 9 Module Typ REC 255 PE mit je 1,65 m², ist also insgesamt 14,85 m² groß.
  • Die Module haben eine Gesamt-Nennleistung von 2,3 kW(el).
  • Als Wechselrichter ist ein SMA Sunny Boy Typ SB 2100 TL eingebaut.
  • Die PV-Anlage erzeugte in 2017 insgesamt 2100 kWh Strom (2016: 2200 kWh / 2015: 2400 kWh) . Davon wurden etwa 50 % eingespeist und 50 % selbst genutzt. Die Anlage speist in den Stromkreis des Gewerbebetriebs im Erdgeschoss ein, aus dem neben Büro und Werkstatt auch die Heizungspumpen, das Treppenhaus- und das Kellerlicht versorgt werden. Unser Gesamt-Stromverbrauch lag in 2015 bei 1850 kWh/a, davon waren 650 kWh/a Strombezug und 1.200 kWh/a selbst genutzter PV-Strom. Damit hatten wir in 2015 einen relativ hohen Eigenverbrauchsanteil.

Die monatlichen Erträge im Betriebsjahr 2016 zeigt das folgende Diagramm. Im Hochsommer waren es um 300 kWh pro Monat bzw. im Mittel ca. 10 kWh pro Tag, in den kältesten Wintermonaten waren es dagegen nur 50-70 kWh/Monat bzw. bzw. 1,5-2,5 kWh pro Tag. An den ertragreichsten Somertagen waren es bis zu 13 kWh pro Tag, ab wolkigen Wintertagen teils nur 0,5 kWh pro Tag. Man erkennt daran vor allem, dass die PV sich nicht für eine winterliche Wärmeversorgung eignet, da sie gerade im Winter nur sehr wenig Ertrag hat.

Die Anlage wurde von Firma Wewers Solartechnik aus Lage/Lippe im November 2013 installiert und hat  4.488 € inkl. MwSt. gekostet. Das entspricht 1.956 € pro kW bzw. 302 € pro m² (inkl. Montage, Wechselrichter und Verkabelung bis zum Zählerschrank). Gerüstkosten waren damals keine entstanden, weil ein Gerüst wegen Dacharbeiten ohnehin aufgestellt war. Bei einem Strompreis von ca. 28 ct/kWh, einer Einspeisevergütung von 14 ct/kWh und etwa hälftiger Eigennutzung und hälftiger Einspeisung hat sie in 2016 etwa 336 € Strombezugskosten gespart und 160 € Einspeisevergütung erwirtschaftet, wovon ca 10 € Messgebühr sowie ggf. weitere Steuern und Abgaben abgehen. Bei uns dürfte sich die Anlage – so alles weiter gut läuft – in etwa 9 Jahren amortisieren.

Lohnt sich für uns ein Batteriespeicher?

Wir haben geprüft, ob sich für uns ein Batteriespeicher lohnen könnte, mit dessen Hilfe wir tagsüber anfallenden Überschussstrom auch vor Sonenaufgang und nach Sonnenuntergang nutzen könnten. Von den 1200 kWh/a, die wir bisher einspeisen, könnten wir maximal 600 kWh nutzen, da wir gar nicht mehr Strom benötigen. Die Eigennutzung von zusätzlichen 600 kWh/a würde 600 kWh/a x 0,14 €/kWh =  84 € pro Jahr einbringen. Ein Speicher mit Laderegler, der 10 Jahre hält dürfte also maximal 840 € kosten. Wenn er 20 Jahre hält dürfte er 1.680 € kosten. Tatsächlich kosten diese Systeme aber mehr als das doppelte. Das lohnt sich also für uns bisher nicht.

Lohnt sich ein Elektroauto?

Wenn wir mit den vor allem im Sommer überschüssigen ca. 1.200 kWh/a ein Elektroauto laden, können wir damit bei 20 kWh/100 km ca 6.000 km weit fahren. Das ist für unsere Stadtfahrten in Detmold und in OWL ausreichend. Deshalb haben wir im Februar 2017 einen Elektro-Smart gekauft, mit dem wir sehr zufrieden sind. Inzwischen ist er 65.000 km gelaufen. Um die vor allem in den Mittagsstunden anfallenden solaren Überschüsse gut zu nutzen haben wir unsere Terminplanungen geändert. Außentermine finden jetzt vor allem morgens und abends statt, mittags steht das Auto an der Steckdose, wo es wahlweise mit 1,5 oder 2,5 kW geladen werden kann. Wenn es mal schneller gehen muss, nutzen wir die Ladesäulen der Stadtwerke.  Weitere Ladesäulen in Detmold oder im Umland finden wir leicht mit einer App. Mit diesem zusätzlichen Verbraucher hat sich unser Stromüberschuss verringert und ist unsere Mobilität noch sauberer geworden.

In Detmold haben bereits viele Personen und Betriebe für den Nahbereichs- und Auslieferverkehr kleine Elektroautos, mit denen sie zufrieden sind. Elektroautos gibt es inzwischen von immer mehr Herstellern, einige sogar mit eienr so intelligenten Steuerung, dass man den Batterispeicher des Autos auch für das Haus nutzen kann.

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Mieterstrom im Mehrfamilienhaus

Leider ist die „Direktvermarktung“ von solarem Überschussstrom an Mitmieter oder Nachbarn  rechtlich derzeit noch stark behindert. Es gibt aber schon mehrere Mietshäuser (z.B. Studentenwohnheime) mit PV-Anlagen, in denen eine Strom-Flatrate angeboten wird. Dadurch erreicht man die größte Indoor-Nutzung und die geringste Netzbelastung.  Wir hoffen, dass sich die Rahmenbedingungen für PV-Eigenstrom und Mieterstrom absehbar deutlich verbessern.

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