Lüftung im Altbau

Lüftung im Altbau

Da Menschen weder CO2 noch Luftfeuchte riechen können, wird über „richtiges Lüften“ zwar viel geredet, aber oft kommt dabei nur wenig Brauchbares heraus. Dabei gibt es vier relativ unumstrittene Indikatoren für richtiges Lüften:
– keine zu hohe CO2-Konzentration in der Raumluft
– keine zu feuchte Luft,
– keine zu hohe Konzentration von chemischen Luftschadstoffen und
– keine zu hohen Wärmeverluste durch Lüften.

CO2 können wir nicht riechen, sondern nur mit Messgeräten messen. Halbwegs zuverlässige CO2-Sensoren sind nicht ganz billig. Möchte man einen kaufen, sollte man vorher die Beschreibung genau durchlesen, denn mancher „CO2-Sensor“ ist ein „Mischgassensor“ dessen Ergebnisse nur indirekte Aussagen über CO2 erlauben.  CO2 in der Raumluft kommt vor allem aus Verbrennungsprozessen (offenes Feuer, Gasherd, Gasbackofen oder Kerzen sowie aus der Atemluft von Menschen und Tieren).  Die „frische“ Außenluft enthält unter 500 ppm. In einem Gebäude sind Werte zwischen 500 und 700 ppm gut und bis 900 ppm noch ok, längere Phasen über 1000 ppm machen müde bzw. dösig.  Um im Wohnhaus die normalen CO2-Emissionen von Menschen wegzulüften, benötigt man zwischen 20 und 35 cbm Luft pro Mensch und Stunde (20 = schlafendes Kind, 35 = tätiger Erwachsener). Bei zusätzlichen Emissionen aus Verbrennungsprozessen kann eine deutlich höhere Luftmenge nötig werden.

Luftfeuchte können wir selbst auch nicht zuverlässig fühlen. Hygrometer, die die relative Luftfeuchte anzeigen, gibt es jedoch preiswert zu kaufen. Sofern sie nicht geeicht sind, aber einstellbar, solte man sie am Anfang in ein nasses Handtuch wickeln; dann müssen sie nach ca. 2 Minuten 100 % anzeigen. Messungen sollte man fern von Heizkörpern und kalten Fenstern vornehmen, da die dort untypisch hohe bzw. kalte Lufttemperatur den Messwert verfälscht. Beim Messen wird man schnell merken, dass die relative Luftfeuchte überall im Haus und Raum unterschiedlich ist und dass sie abhängig Wetter, Heizen und Lüften, Wäschetrocknen oder Duschen stark schwankt. Das ist normal. Will man statt ständigen Schwankungen „mittlere“ Werte ermitteln, sollte man sich ein Hygrometer kaufen, das über längerte Messperioden Mittelwerte bildet und möglichst auch die MIN und MAX-Werte der Messperiode anzeigt. Auch solche sind preiswert erhältlich. Die mittlere Feuchte über einen oder mehrere Tage ist bereits eine relativ belastbare Größe, um zu erkennen, ob man mit seinem Heiz- und Lüftungsverhalten eher zu feucht oder zu trocken lebt. Aus Gesundheitssicht sollte die relative Feuchte der Luft im Winter über 35% betragen (im Sommer ist sie ohnehin höher). Aus Sicht des Bautenschutzes darf sie aber nicht so hoch sein, dass über längere Zeit Kondensat ausfällt und nasse Oberflächen entstehen an denen Schimmel gedeihen kann. Dies kann passieren, wenn feuchtwarme Luft an kühle Bauteile strömt.  In Altbauten können schlecht gedämmte Außenbauteile auch bei normaler gleichmäßiger Beheizung innenseitig so kühl sein, dass an ihnen bereis bei leicht erhöhter Luftfeuchte Kondensat ausfällt. Hat man solche kühlen Bauteile hilft nur „mehr Heizen“ oder „mit trockenerer Luft leben“, also mehr lüften …. oder nachträglich dämmen.

Chemische Belastungen der Raumluft aus Bauchemikalien oder Wohngiften lassen sich ohne Hilfsmittel schwer ermitteln, kommen aber in alten wie neuen Häusern vor und können Ursachen von Unwohlsein und Krankheiten sein. In der Raumluft vieler Häusern bzw. Wohnungen findet man Ausgasungen von Weichmachern aus Kunststoffen, Formaldehyd oder andere Zusatzstoffe aus Bindemitteln von Spanplatten, Ausgasungen aus früher erlaubt gewesenen „Holzschutzmitteln“, Lösemittel aus Spachteln, Farben und Klebstoffen, Flammschutzmittel aus Raumtextilien, PCB aus Fugenfüllern, Duftstoffe aus Kosmetika, Wasch- und Putzmitteln sowie Ausgasungen aus unsachgemäß gelagerten echten Giften oder Spezialchemikalien. Eine genaue Untersuchung erfordert Spezialisten. Sie ist wegen der oft geringen Konzentrationenen aufwändig. Messergebnisse sind zudem stark von den Messrandbedingungen beeinflusst. So sind Konzentrationen in einem verschlossenen und drei Tage unbelüfteten Raum höher, als wenn der Raum täglich genutzt und gelüftet wird. Zum Glück werden die meisten Wohngifte bei ausreichendem Lüften hinreichend verdünnt, wobei als „ausreichendes Lüften“ eine etwa 0,3-fache Luftwechselrate pro Stunde anzusehen ist.

Die über Lüften entstehnden Wärmeverluste sind leicht erklärt. Wenn erwärmte Luft ausströmt und kalte Außenluft einströmt, geht Wärme verloren und muss nachgeheizt werden. Die Höhe des Wärmeverlustes hängt von der Menge und Übertemperatur der ausströmenden Luft ab. Lüftet man nur kurz durch eine bodentiefe Terassentür oder zwei weit geöffnete Fenster, hat man einen schnellen und starken Luftaustausch und die ausströmende Luft hat mittlere Raumtemperatur. Lüftet man dagegen durch ein gekipptes Fenster, unter dem ein Heizkörper  in Betrieb ist, dann strömt deutlich wärmere Luft nach außen, da die Luft direkt über dem Heizkörper 35-50°C hat.  Strömt dabei die am unteren Fensterrand einfallende Kaltluft über das Thermostatventil des Heizkörpers , dann fühlt dieses Ventil „kalt“ und öffnet den Heizwasserzustrom völlig und der Heizkörper sowie die ausströmende Luft werden noch wärmer. Längeres Lüften über gekippte Fenster mit aktivem Heizkörper darunter bewirkt daher deutlich höhere Wärmeverluste bei geichem Luftaustausch als kurzes Lüften über große Außentüren oder weit geöffnete Fenster.

Will man im Altbau durch Lüften Feuchteprobleme lösen, ist es empfehlenswert, vor allem dort zu lüften, wo die meiste Feuchte entsteht. Das ist im Bad nach Baden oder Duschen, in der Küche beim Kochen, beim Wäschetrocknen sowie im Schlafzimmer durch atmende Menschen.

Badezimmerfeuchte lässt sich am komfortabelsten durch einen automatischen Badezimmer-Abluftventilator abführen, der mit eigenem Sensor die Feuchte im Bad überwacht. Bei einem abrupten Anstieg der Feuchte (z.B. wg. Baden oder Duschen) startet er und lüftet solange, bis das vorherige Feuchte-Niveau wieder hergestellt ist.  Solche Lüfter empfehlen wir heute für jedes Altbau-Bad, sofern die Wohnung keine zentrale Lüftungsanlage hat.  Für die Abfuhr der Feuchte aus Küchen empfehlen wir nach außen abblasende Dunstabzugshauben. Beide Geräte sorgen außer für die Feuchteabfuhr auch für eine gewisse Mindestdurchlüftung der Wohnung.  Wäsche sollte in Altbauten nie auf Klappständern innerhalb der Wohnung, sondern entweder außerhalb der Wohnung oder mit Wäschetrocknern getrocknet werden, die inzwischen sehr sparsam sein können (www.spargeraete.de).

Mit der Mindestausstattung eines Bad- und Küchenlüfters und vernünftiger Wäschetrocknung lässt sich die Mindestanforderung an eine vom Nutzer unabhängige Feuchteschutz-Grundlüftung erfüllen, wie sie die DIN 1946-6 definiert.

Um neben dem Feuchteschutz  auch höherwertige Anforderungen zu bedienen, also z.B. sicherzustellen, dass die Konzentration an CO2 oder von Wohngiften nicht zu stark ansteigt, reichen reine Bedarfs-Abluftventilatoren nicht aus.  Selbst ergänzende Fensterlüftung reicht nur dann, wenn mindestens ein Bewohner ganztags zu Hause ist und die Fenster regelmäßig bedienen kann. Bei voll berufstätigen Haushalten funktioniert regelmäßiges Stoßlüften per Fenster nicht mehr, weil die dazu nötigen Personen zu viele Stunden am Tag entweder nicht da sind oder schlafen.

Will man durch mechanische Lüftung auch eine CO2-Obergrenze sicherstellen, ist eine mechanische Grund- und Bedarfslüftung aller Räume nötig. Ihr Luftdurchsatz muss dann entweder manuell anhand der Zahl der anwesenden Personen eingestellt werden oder die Anlage muss sich anhand von Luftqualitätssensoren selbst bedarfsgerecht regeln. Bei der Planung solcher Komfort-Lüftungsanlagen wird zunächst raumweise der jeweilige Zuluftbedarf (anhand der max. Personenzahl) und der Abluftanfall (anhand des Feuchte- und Geruchsanfalls) ermittelt, die Periodik der Raumnutzung geklärt (z.B. Schlafzimmer nur nachts…) und dann geklärt, wie präzise die Regelung sein soll und wie aufwändig sie sein darf, d.h. welche Regelvorgänge automatisch oder manuell erfolgen sollen. Sind Nutzer bereit, selbst mit zu denken und z.B. mehrmals am Tag selbst Luftklappen zu verstellen, kann eine sehr leistungsfähige Regelung trotzdem preiswert sein. Soll alles sensorgesteuert und elektromotorisch geregelt werden und zudem fernüberwachbar sein, wird die Technik aufwändiger.  In den meisten Altbau-Wohngebäuden wird vor allem Wert darauf gelegt, dass die raumweise benötigten Luftmengen für die drei typischen Nutzungssitationen „Keiner da“, „Alle aktiv“ und „Alle schlafen“ leicht verständlich einstellbar sind, so dass die unterschiedlichen Räume sowohl tags als nachts passende Luftmengen erhalten. Die Regelung regelt dabei die Zuluft-Verteilung. Die abluft-seitige Feuchteabfuhr ist bei wohnungs- oder gebäudezentralen Anlagen ohnehin gewährleistet.

Wer sich Komfort einer sehr guten Luftqualität ohne Kaltuftströme und Feuchterisiken im Altbau leistet, spart dabei auch Heizkosten, denn wohnungs- oder gebäudezentrale Lüftungsanlagen enthalten üblicherweise eine Wärmerückgewinnung. Die warme Abluft wird durch einen Wärmetauscher geleitet, der sie fast auf Außentemperatur abkühlt und die entzogene Wärme wird auf die frische Zuluft übertragen, so dass diese auch im kalten Winter bereits auf 16-18 °C vorgewärmt in die Aufenthaltsräume einströmt. Sie muss daher nicht mehr von der Heizung erwärmt werden, so wie beim Fensterlüften, bei dem kalte Luft einströmt. Das spart Energie und vermeidet Kaltluftströme im Haus.

Die Lüftungsgeräte-Industrie bietet eine Vielfalt leistungsfühiger und zuverlässiger Geräte für die Be- und Entlüftung kleiner und großer Wohnungen und Häuser. Wir kennen aus mehr als 25 Jahren Energieberatung mehr als 2000 Kunden, die auf unser Drängen hin Lüftungsanlagen eingebaut haben. Fast alle waren am Anfang skeptisch, ob das gut und nötig sei. Aber fast Keiner will sie inzwischen wieder hergeben, weil er den Komfort zu schätzen gerlent hat. Es ist im Altbau ähnlich wie im Auto. Wer mag schon noch die Fahrertür öffnen müssen, wenn die Scheibe beschlägt ?

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