Holzbalkendecken

Nachträgliche Wärmedämmung
von Holzbalkendecken unter unbeheizten Dachböden

Holzbalkendecken unter unbeheizten Dachräumen kommen sowohl in Gebäuden vor, in denen die darunter liegende Etage bereits  Dachschrägen hat (linke Skizze) als auch in Gebäuden mit Vollgeschoss unter dem Dachboden (rechte Skizze).

Folgende Skizze zeigt die vier üblichen Bauarten solcher oberster Holzbalkendecken. Sie unterscheiden sich in ihrer unteren Bekleidung, ihrer Füllung, ihrem Oberbelag und ihrer Luftdichtheit.

Die linke Skizze zeigt eine Holzbalkendecke mit oberseitig Dielenboden, unterseitig luftdichtender Putzschicht auf Schilfrohrmatte oder Heraklithplatte und ganz ohne oder mit nur 2-3 cm dicker Dämmung. Diese Bauweise war vor 1960 üblich und bietet nur sehr wenig Wärmeschutz. Unter nicht als Abstellraum genutzten Dachböden sind die Decken teils sogar oben offen und ohne Dielenboden.

Die zweite Skizze von links zeigt die gleiche Bauart mit zusätzlichem innerem Blindboden mit Füllung aus Schlacke oder Lehmschlag. In vulkanischen Gegenden gibt es auch Bimsstein-Füllungen. Lehm- oder Schlackefüllungen sind wegen ihrer Luftumspülung nur begrenzt dämmwirksam. Bimssteinfüllungen bieten bereits eine mäßige Dämmung; 6 cm Bims entsprechen ca. 1 cm Styropor. Teilverfüllte Holzdecken sind nur geringfügig wärmer als leere, haben aber den Nachteil, dass in ihren Hohlraum nur noch wenig zusätzliche Dämmung eingebaut werden kann. Will man sie im Hohlraum stärker dämmen, muss man Füllung und Blindboden ausbauen.

Die dritte Skizze zeigt eine Holzbalkendecke aus den 1960er bis 1980er Jahren. Sie hat oberseitig Dielenboden oder Verlegespanplatten, unterseitig eine Holzvertäfelung oder Gipskarton mit Schattenfugen am Rand und im Hohlraum 4-8 cm aluminiumkaschierte Mineralwolldämmung („Randleistenmatte“). In dieser Deckengeneration sind die Dämmstoffmatte häufig falsch eingebaut. Die Ränder ihrer Aluminiumfolien wurden nur als Montagehilfe zum Antackern am Sparren genutzt, jedoch nicht miteinander und an den Bauteilanschlüssen luftdicht verklebt. Dann erfüllt die Folie nicht ihre wesentliche Aufgabe als Luftdichtung und Dampfbremse. Sind zudem die Holzvertäfelung und oberseitige Dielung luft-undicht, ist die gesamte Decke stark luftdurchströmt. Dadurch erzielt die eingebaute Dämmung ihre Wirkung nicht und es können mit dem Luftstrom Mineralwoll-Fasern in die Raumluft rieseln.

Die vierte Skizze zeigt eine Holzbalkendecke, wie sie etwa seit Mitte der 1980er Jahre gebaut wird. Sie hat oberseitig auch Dielung oder Spanplatte, im Hohlraum eine Dämmung von 10-14 cm Stärke. Darunter befindet sich eine separate vollflächige Dampfbrems- und Luftdichtungsbahn, meist aus PE-Folie, seltener aus Baupappe. Diese ist an all ihren Stößen und Bauteilanschlüssen dauerhaft luftdicht verklebt bzw. angearbeitet. Die untere Bekleidung ist aus Gipskarton oder Holzpaneelen. Wenn die hier separate Luftdichtungsschicht ordentlich verarbeitet ist, wirkt die Dämmung wie geplant.

Folgende Tabelle zeigt die U-Werte sowie die Höhe der Wärmeverluste und der Heizkosten in einem und in 40 Jahren für verschieden dick gedämmte oberste Holzbalkendecken mit je 100 m² Größe bei 7 Ct/kWh Wärmepreis. Man erkennt daraus leicht den großen Nutzen nachträglicher Dämmung solcher Decken auf höhere Niveaus.

Möchte man zinsgünstige Kredite und/oder Zuschüsse der KfW-Bank nutzen, die bei Einzelmaßnahmen 10 % und bei Maßnahmenpaketen 15 % der Investitionskosten betragen können, muss bei der Sanierung von obersten Geschossdecken nachher ein U-Wert von maximal 0,14 W/m²K erreicht werden. Saniert man das ganze Haus zu einem KfW-Effizienzhaus, können für die förderfähigen Komponenten der Gebäudehülle und Haustechnik sogar bis zu 30 % Zuschuss gewährt werden (=> mehr).

Die energetische Sanierung oberster Holzbalkendecken kann von oben, im Hohlraum oder von unten erfolgen. Von wo aus man vorgeht, hängt davon ab, welches Dämmniveau man anstrebt, welche Seite leichter zugänglich ist, ob man den oberen Belag oder die untere Bekleidung evtl. ohnehin erneuern muss oder „eher opfern“ kann und auf welcher Seite eine evtl. zusätzliche Dämmung weniger stört.

Eine Sanierung von oben – also vom Dachboden aus – wird meist dann bevorzugt, wenn die untere raumseitige Bekleidung intakt und erhaltenswert ist. Folgende Prinzipskizzen zeigen – ausgehend von den vier Deckenbauarten 12 beispielhafte Möglichkeiten für Sanierungen von oben. Mit blauer Strichelung ist darin die evtl. separate Luftdichtungsschicht eingezeichnet.  In der linken Spalte ist jeweils die Ausgangslage, daneben eine Sparversion mit möglichst geringem Aufwand, dann eine Version auf Niedrigenergie-Niveau und ganz rechts eine auf Passivhaus-Niveau skizziert. Grundsätzlich empfehlen wir, oberste Geschossdecken auf 30-45 cm Dämmstärke (=Passivhaus-Komponenten-Qualität) zu dämmen. Ein „Klotzen“ bei diesem Bauteil ist meist mit relativ geringen Kosten möglich und bringt für die Gesamtbilanz eines Hauses einen Nutzen, den man an anderen Bauteilen des Hauses nur mit deutlich höheren Kosten ereichen könnte.

Eine Sanierung von unten bietet sich an, wenn die untere Bekleidung der Decke abgängig ist (z.B. mürber Altputz auf Schilf) oder aus gestalterischen Gründen erneuert werden soll (z.B. heller Gipskarton statt alter Holzvertäfelung). Dann wird die Decke ohnehin von unten geöffnet und können Dämmung und neue Luftdichtung von unten eingebaut werden. Wenn die Raumhöhe es ermöglicht, können unterseitig zusätzliche Dämmschichten montiert werden, z.B. zwischen etwas dicker gewählte Traglatten des Gipskartons. Anlässlich der Öffnung von unten können auch leicht Deckenlichtkabel erneuert oder anders verlegt werden oder Einbauleuchten eingeplant werden. Aber Achtung: Kabel und Einbaulampen in der obersten Decke dürfen keine Löcher in der Luftdichtungsschicht bilden. Sie müssen sorgfältig und dauerhaft (und ggf. hitzebeständig) abgedichtet werden. Folgende Skizzen zeigen Varianten mit 4 cm, 12 cm und 24 cm unterseitiger Zusatzdämmung, wodurch insgesamt Dämmstärken von 20, 28 oder 40 cm ermöglicht werden.

Sind die untere und die obere Bekleidung abgängig oder unschön, kann die Zusatzdämmung je nach Platzverhätnissen anteilig über und unterhalb der Balkenlage eingebaut werden. Die neue Luftdichtungsschicht lässt sich meist leichter von unten, die Dämmung leichter von oben einbauen.

Eine Verfüllung nur des Hohlraums einer obersten Holzbalkendecke  z.B. mit Einblasdämmung bietet sich dann an, wenn sowohl die untere als auch die obere Oberfläche erhaltenswert ist und wenn man mit der geringeren (meist nicht förderfähigen) Dämmstoffdicke zufrieden ist, die der vorhandene Hohlraum bietet. Bei ganz leeren Decken sind meist 14-16 cm Dämmstärke möglich. Bei bereits mit Mineralwolle teilgedämmten Decken kann diese liegen bleiben und behält auch ihren Nutzen. Nur wenn sie durch Nässe verrottet oder durch Tiere stark veschmutzt ist, sollte man sie ausbauen. Bei mit Blindboden und Schüttung oder Lehmschlag teilverfüllten Decken ist der Nutzen der restlichen Hohlraumverfüllung oft nur mäßig. Die noch verfügbare Einbauhöhe kann aber individuell verschieden sein. Folgende Skizzen zeigen Varianten der Hohlraumdämmng:

Links ist jeweils der Ausgangszustand und in der Mitte die komplett verfüllte Decke dargestellt. Rechts ist als Detail skizziert, dass auch der Randbereich unter und außenseitig der Mittelpfette gedämmt werden sollte, um eine „kalte Ecke“ und um eine horizontale Durchströmung der Decke mit Außenluft zu vermeiden. Dies ist vor allem bei Decken mit belassenen unterlüfteten Blindböden wichtig.  Dieser Zwickel ist von innen meist nur um die Mittelpfette herum zugänglich. Das Verfüllen kann leichter sein, wenn man innenseitig der Mittelpfette eine Bodendiele heraus nimmt. Wird auch das Schrägdach neu gedeckt, kommt man am leichtesten von außen an diese Stelle, wenn das Dach gerade offen ist. In der unterste Zeile ist ein Decke der 70er Jahre mit undichter unterer Bekleidung und Randleistenmatte skizziert (=> Erläuterung weiter oben). Hier kann bei oberseitigem Belag aus Spanplatten eine Verfüllung mit Einblasdämmung ohne zusätzliche untere Luft-Abdichtung und Dampfbremse problematisch sein, weil Feuchte zwar weiterhin von unten eindringen, nach oben aber nicht mehr abtrocknen kann.

Wenn Sie in Ihrem Haus eine sanierungsbedürftige obeste Holzbalkendecke haben und angesichts der vielen Aspekte nicht sicher sind, was die richtige Sanierungsstrategie ist, beraten wir Sie hierzu gern vor Ort nach  Inspektion der Gegebenheiten (=> mehr).

Im Folgenden einige Beispiele aus der Praxis:

Bild 1:  Diese merkwürdige Schnee-Abtauung verweist auf eine ungedämmte oberste Holzbalkendecke. Der Schnee taut hier nämlich nur über dem unbeheizten Dachboden ab, nicht aber weiter unten über der beheizten Dachetage. Die zum Abtauen nötige Wärme strömt durch die ungedämmte Holzbalkendecke aufwärts in den Dachbboden.

 

 

 

Bild 2: Typischer Problemfall: ein ungenutzter Dachboden, der nie begangen wird, mit sehr kalter, weil ungedämmter und oben offener Holzbalkendecke und mit völlig wirkungslosen Resten einer alten Dämmung in Teilen der Schräge. Hier kann man mit geringem Aufwand eine sehr wirkungsvolle Dämmung von oben in  und auf der Decke verlegen und dabei sogar die Reste der Schrägdachdämmung nutzen (Aluseite nach unten). Wichtig ist, dass eine vollflächige, dicke und fugenfreie Dämmschicht entsteht, die nicht unterlüftet wird.

 

Bild 3: Ungenutzter Dachboden ohne Dielen mit einer ehemals 4 cm dicken, inzwischen aber zusammengefallenen Glaswolldämmung. Hier kann mit geringem Aufwand dick gedämmt werden und so der Wärmedurchgang um 90% verringert werden.

 

 

 

 

Bild 4: nachträglich  von oben mit Mineralwolle gedämmte Decke, bei der vorher die alte obere Dielung entfernt wurde. Später wurde oben wieder eine diffusionsoffene sägerauhe Dielung aufgenagelt. Dämmung nur in Balkenhöhe (hier 18 cm), daher nicht förderfähig.

 

 

Bild 5: Oberste Holzbalkendecke, bei der nach Abnahme der alten Dielen 12 cm hohe Distanzhölzer auf die Kehlbalken aufgelegt wurden. So entstand ein Hohlraum für 28 cm Dämmung, welche dann förderfähig war. Darüber wurden neue Dielen montiert. Bei 10 % Förderung der Gesamtkosten ist dies ein rentabler Mehraufwand. Da Holz mehr Wärme leitet, als Dämmstoff, sollte man die Distanzhölzer möglichst schlank wählen.

 

 

Bild 6: Oberste Holzbalkendecke mit nachträglich von oben eingebauter und sorgfältig abgedichteter Luftdichtungsbahn . Dies war nötig, weil hier unterseitig nur eine zwar erhaltenswerte, aber völlig luftundichte Vertäfelung vorhanden war. Später wurden hier 18 cm Mineralwolle zwischen den Sparren und 6 cm über den Sparren eingebaut und eine neue Laufdielung aufgenagelt.

 

 

Bild 7:   Oberste Holzbalkendecke in einem ungenutzten Dachboden, bei der eine zweite Dämmstofflage oberseitig quer über Balken und Gefache verlegt wurde. Dies dichtet die vielen Fugen der esten Dämmstofflage ab und reduziert die Wärmebrücken der sonst von warm nach kalt durchgehenden Holzbalken. Allerdings sind danach die tragenden Balken nicht mehr sichtbar, weswegen eindeutige Laufstege gebaut werden sollten, so dass Niemand später ins Gefach tritt und durchbricht.

 

Bild 8: Oberste Holzbalkendecke im ungenutzten Dachboden mit sorgfältig verlegter doppelter Dämmlage sowie mittig lose aufgelegten Spanplatten als Laufsteg für Wartungsarbeiten. Hier wurde hoher Nutzen mit wenig Holzbau-Aufwand erreicht.

 

 

 

Bild 9: Mit Zelluloseflocken ausgeblasene oberste Holzbalkendecke, bei der die randseitigen Bodendielen vor der Mittelpfette entnommen wurden. Der vorher seitlich offene Übergang des Deckenhohlraums zum Schrägdach wurde hier mit senkrechten Stellbretten direkt vor der Mittelpfette abgedichtet.

 

 

 

Bild 10: Oberste Holzbalkendecke mit einer 50 cm dicken aufgeblasenen Zellulose-Dämmschciht und Mittelsteg. Links im Bild die auf die Holzdecke zunächst verlegte Dampfbrems- und Luftdichtungsbahn, rechts der Laufsteg. bis zu desen OK die Zellulose eingebaut wurde.  Gegenüber vorher nur 3 cm Mineralwole im Deckenhohlraum wurde der Wärmedurchgang um 95% verringert. Dieses MFH aus Bj.1985 wurde zu einem Effizienzhaus 55 saniert  (=>mehr).

 

 

 

 

 

Bild 11 zeigt eine von unten nachträglich gedämmte oberste Geschossdecke aus Holz. Hier war zunächst die alte untere Bekleidung entfernt, der alte Dämmstoff ausgebaut worden und dann der Hohlraum von unten komplett mit Minealwoll-Dämmstoff fugenfrei verfüllt  worden. Danach wurde unterseitig eine vollflächige Luftdichtungs- und Dampfbremsbahn montiert und an allen Stößen und Anschlussfugen verklebt. Darunter wurde quer zur Balkenlage die Traglattung für die neue Gipskarton-Bekleidung montiert (Foto). Danach kamen noch die neuen Deckenlichtkabel unter die folie zwischen die Latten und der Gipskarton.

Die nachträgliche Wärmedämmung ungedämmter oder nur wenig gedämmter oberster Geschossdecken ist eine der rentabelsten Maßnahmen bei der energetischen Altbausanierung, da hier hohe Einsparpotentiale mit geringem Aufwand möglich sind und die Ausführung häufig in Eigenleistung möglich ist.

Die Beispiele sollen Leser dafür sensibilisieren, dass gerade bei Holzbalkendecken eine recht komplexe Abwägung erfolgen muss, wie man vorgehen möchte. Gerne bieten wir Ihnen hierzu für Ihr Haus eine umfassende Beratung mit Inspektion vor Ort an (=>mehr).

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