Passivhaus

Das Passivhaus (PH)

Passivhaus = Stand der Technik
Nebenstehende Grafik zeigt die aktuellen energetischen Baustandards, gemessen am Heizwärmebedarf pro m² nach PHPP. Man erkennt, dass das Passivhaus (PH) mit einem Heizwärmebedarf von 15 kWh/m²*a nur etwa 1/5 des Wärmebedarfs von einem Neubau nach Mindestanforderungen der Energiesparveordnung hat und auch deutlich sparsamer ist, als ein KfW-Effizienzhaus-55 oder -40  oder als ein 3-Liter-Haus. Von den eingeführten und bewährten energetischen Baustandards hat das Passivhaus den geringsten Heizwärmebedarf. Es wird von uns deshalb als Neubaustandard für alle normal beheizte Wohn- und Nichtwohngebäude wie z.B.  Verwaltungsgebäude, Schulen und Kindergärten oder Hotels empfohlen.

Historie und Einordnung
Der energetische Qualitätsmaßstab des Passivhauses wurde Ende der 1980er Jahre wesentlich von Wolfgang Feist entwickelt. Zu seiner Erforschung und Verbreitung gründete er 1996 das Passivhaus-Institut in Darmstadt, das inzwischen über 50 Mitarbeiter hat und international tätig ist. Wolfgang Feist ist seit 2008 auch Universitätsprofessor für Hochbau, Bauphysik und Gebäudetechnik an der Universität in Innsbruck.

Das erste Passivhaus – ein massives Reihenhaus mit 4 Wohneinheiten und Pultdach – wurde mit Unterstützung des Landes Hessen 1991 in Darmstadt gebaut und ausführlich evaluiert. Der Bericht zum 25-jährigen Bestehen nennt die wichtigsten Merkmale und Erfahrungen. Seither wurden in mehr als 50 Ländern über 20.000 Passivhäuser als Wohn- oder Nichtwohn-gebäude errichtet. Daten von etwa 4.000 weltweit gebauten Passivhäusern kann man in der EU-gefördeten Passivhaus-Datenbank einsehen. Im Niedrig-Energie-Institut haben wir bisehr etwa 250 Passivhäuser in Planung und Ausführung begleitet. Informationen dazu finden Sie in unserem Flyer und unserer
Referenzliste.

 

Unsere Dienstleistungen für Passivhäuser
Für Passivhäuser bieten wir folgende Dienstleistungen an:

2 h Erstberatung anhand des Entwurfs mit Empfehlungen zur energetischen Vordimensionierung
150,00 €
Berechnung der PHPP Energiebilanz für ein EFH/ZFH
750,00 €
Berechnung der PHPP-Energiebilanz für größeres Gebäude
individuell
Spätere Überarbeitungen nach tats. Aufwand
90 €/h
Qualitätssicherung der Bauausführung – pro Ortstermin
125 €
Luftdichtheitsmessung für EFH/ZFH
225 €

Bei Baustellen außerhalb Detmold zusätzlich Fahrtkosten von 1,55 €/km incl.Lohnanteil.
Alle Preise sind incl. 19 % MWSt.

Fördermittel für Pasivhäuser
Bundesweit werden Passivhäuser von der KfW aus dem Programm 153 mit zinsgünstigen Darlehen und abschließendem Teilschulderlass gefördet, wenn sie die Anforderungen an das KfW-Effizienhaus 55 oder 40 erfüllen, was meist der Fall ist. Direkte Passivhaus-Förderprogramme gibt es auch in mehreen Bundesländern, Regionen und Städten. Eine Übersicht gibt die IG Passivhaus und Portale wie der BINE Informationsdienst. In NRW werden z.B. Passivhäuser aus dem Programm progres.nrw gefördert. Förderanträge müssen i.d.R. vor Vergabe der Bauaufträge beantragt und bewilligt werden. Sofern ein Passivhaus besondere Einzelkomponenten enthält, können dafür teils separate Förderanträge gestellt werden (z.B. Fernwärmeanschuss, Solaranlagen, Pelletsheizung, Lüftung mit WRG).

Berechnung eines Passivhauses
Die Berechnung eines Passivhauses erfolgt mit der Software „PHPP“ (Passivhaus-Projektierungspaket). Dies ist eine Excel-basierte Tabellenkalkulation, die beim Passivhaus-Institut in verschiedenen Versionen bezogen werden kann. Ein Passivhaus kann nicht mit üblicher EnEV-Software berechnet werden, da diese viel zu ungenau ist und zudem auf nicht wirklich relevante Zielwerte abhebt.

Definitionen des Passivhauses
Ein Passivhaus zeichnet sich durch eine Reihe von Merkmalen aus, die zum großen Teil durch Richtwerte und Kennzahlen definiert werden können. Eine Zusammenfassung der Qualitätsanforderungen an Passivhäuser und die exakten Definitionen bzw. Zertifizierungskriterien können von der Website des Passivhaus-Institut www.passiv.de downgeloaded werden. Eine kurze eigene Zusammenfassung finden Sie in dne folgenden Abschnitten.

Was macht ein Haus zum Passivhaus?
Ein Passivhaus zeichnet sich durch eine Reihe von Merkmalen aus, die zum großen Teil durch Richtwerte und Kennzahlen definiert werden können:

Heizwärmebedarf und Heizlast:
Grundgedanke des Passivhauses war, dass sein Jahresheizwärmebedarf so gering sein soll, dass neben der Wärmeverteilung über die  Lüftungsanlage auf ein gesondertes Heizwärme-Verteilsystem (z. B. auf Heizkörper) verzichtet werden kann. Mit der Einsparung des Pumpen-Warmwasser-Heizsystems solte der Mehraufwand für baulichen Wärmeschutz, Dichtheit und Lüftungstechnik kostenneutral finanzierbar sein. Um eine Wärmeverteilung nur über die nötige Zuluft zu ermöglichen, darf der Jahresheizwärmebedarf nicht größer als 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter beheizter Fläche sein bzw. die maximale Heizlast nicht höher als 10 W/m². Mindestens eine der beiden Anforderungen muss erfüllt werden

=> Heizwärmebedarf < 15 kWh/(m²a)
=> und/oder max.Heizlast < 10 W/m²

Hinweis dazu: eine Wärmeverteilung nur über warme Zuluft ist zwar möglich, regeltechnisch aber nicht immer ideal. Die meisten gebauten Passivhäuser haben deshalb neben dem Luftkanalnetz auch ein anderes Heizwärme-Verteilsystem  über Fußbodenheizuung oder Heizkörper.

Wärmedämmung:
Passivhäuser benötigen an allen Außenbauteilen einen sehr guten Wärmeschutz durch Dämmung. Der U-Wert (Maßeinheit für die Wärmeleitfähigkeit eines Bauteils) nicht lichtdurchlässiger Bauteile darf nicht höher als 0,15 W/m²K sein, der von Fenstern nicht höher als 0,8 W/m²K. Die Gläser benötigen für den Wärmegewinn durch die Sonneneinstrahlung zugleich einen Gesamtenergieduchlass für solare Wärmegewinne von über 50% (”gWert”). Auf nordseitigen oder verschatteten Fenstern, bei denen die solaren Gewinne niedriger als die Wärmeverluste sind, können auch niedrigere g-Werte sinnvoll sein. Zusammengefasst:

U-Werte opaker Bauteile < 0,15 W/(m²K), 
U-Werte von Fenstern < 0,8 W/(m²K).

Wärmebrücken:
Neben der Dämmung der großen Flächen ist es sehr wichtig, Wärmebrücken zu vermeiden. Außenecken und Außenkanten spielen bei Passivhäusern wegen der guten Fassadendämmung keine große Rolle, jedoch können materialbedingte Wärmebrücken starke Wärmeverluste bewirken. Unterbrechungen der umlaufenden Dämmschicht durch gut wärmeleitende Materialien wie Metalle, Beton, Kalksandstein, Ziegelmauerwerk oder Massivholz sollen deshalb vermieden werden. Ein Detail kann als wärmebrückenfrei gelten, wenn sein außenmaßbezogener Wärmebrückenkoeffizent Psi kleiner als < 0,01 W/(mK) ist.

Wärmebrückenfrei
wenn Psi kleiner als 0,01 W/(mK)

Sind Wärmebrücken nicht zu vermeiden, müssen ihr Wärmeverkust ermittelt und in die Enrgiebilanz einhezogen werden.

Abluft-Wärmerückgewinnung:
Passivhäuser müssen Lüftungsanlagen mit hocheffizienter Abluftwärme-Rückgewinnung bei niedrigem Stromverbrauch enthalten. Eine Vorerwärmung der winterlichen Frischluft durch Erdwärme kann einberechnet werden; für Wärmepumpen gelten gesonderte Anforderungen. Die Anforderung an die Abluft-Wärmerückgewinnung:

Wirkungsgrad > 75 %
Stromverbrauch < 0,4 W/(m³h). 

Luftdichtheit:
Um sicherzustellen, dass der wesentliche Luftaustausch eines Passivhauses tatsächlich über die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und nicht durch Ritzen und Fugen erfolgt, sowie um Bauschäden durch Feuchtetransporte zu vermeiden, benötigt ein Passivhaus eine hohe Luftdichtheit. Der n(50)-Wert, welcher angibt, wiueviel Luft bei 50 Pascal Differenzdruck durch alle verbliebenen Undichtheiten nachströmt, darf beim Passivhaus nicht höher als 0,6 1/h sein. Diese und noch niedrigere Werte sind bei sorgfältiger Planung und Bauausführung erreichbar.  Im Vergleich dazu erlaubt die EnEV bzw. DIN 4108/7 für Neubauten mit Lüftungsanlage bisher noch 2,5-fach höhere Luft-Undichtheiten.

Luftdichtheit
n(50)Wert unter 0,6 h-1

Sonnenorientierung:
Solare Wärmegewinne leisten einen wesentlichen Beitrag zur Wärmeversorgung von Passivhäusern. Passivhäuser sollten daher so auf dem Grundstück angeordnet werden, dass sie im Winter nicht durch Nachbargebäude veschattet werden. Sie sollten südorientiert gebaut werden und ihre Nordfenster möglichst klein sein. Dies gilt insbesondere für kleine Häuser. Der gesamte Verglasungsanteil muss aber bei Passivhäusern nicht höher sein als bei normalen Häusern. Plant man großflächige Verglasungen, muss der Aspekt der Behaglichkeit im Winter wie Sommer mit bedacht werden.

Solare Orientierung:  – ja
Glashaus:  – nein

Grundsätzlich gilt: Weder die reine Südausrichtung noch übergroße Verglasungen sind Voraussetzung für ein Passivhaus. Der Bau von Passivhäusern an solar benachteiligten Standorten ist zwar schwieriger, aber gleichwohl möglich.

 

 

=> zurück zur Neubau-Standards
=> zurück zur Fachinformationen
=> zurück zur Startseite

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.