Fenster

Glasaustausch oder Einbau neuer Fenster

Fenster beheizter Räume machen bei Ein- und Zweifamilienhäusern vier bis acht Prozent der Wärme übertragenden Hüllfläche aus. Bei Mehrfamilienhäusern sind es zwischen sechs und zwanzig Prozent. Ihr Anteil an den Wärmeverlusten eines Hauses ist meist viel höher, da durch einen Quadratmeter alter Fenster drei- bis fünfmal mehr Wärme abfließt, wie durch eine gleich große Boden-, Wand- oder Dachfläche.

Folgende Tabelle zeigt die unterscheidlichen energetischen Qualitäten von in Altbauten vorkommenden Fenstern, gestaffelt anhand der Uw-Werte in fünf Effizienzklassen von „sehr kalt“ bis „Passivhaus-Standard“. Dargestellt sind neben dem Wärmedurchgang (Uw-Wert) auch die Wärmeverluste und Wärmekosten pro Jahr sowie innerhalb von 40 Jahren bei einer Fensterfläche von 10 m² und 7 Ct/kWh Wärmepreis. An den Differenzen kann man den Nutzen warmer Fenster erkennen.

Diese Uw-Werte von Fenstern ergeben sich aus dem Rahmenanteil, der Rahmenqualität, der Glasqualität sowie bei Mehrscheiben-Glas aus dem Wärmebrücken-Effekt des Glasabstandshalters, der früher meist aus Aluminium (kalt) war und bei neuen Fenstern heute entweder aus Edelstahl (lauwarm) oder aus Kunstsstoff (warm) ist.

Welchen anteiligen Einfluss Rahmen- und Glasqualität auf den Wärmerdurchgang eines Fensters haben, hängt von der Größe und Geometrie des Fensters ab. Bei einem eher kleinen 50*70 cm großen Fensterflügel mit 12 cm breiten Rahmen hat der Rahmen 43 % Flächenanteil. Bei einer 2 m² großen Terassentür beträgt der Rahmenanteil 33 %, bei noch größeren Flügeln ist er noch kleiner.  Bei kleinen Fenstern spielt daher die Rahmenqualität eine große Rolle, bei großen Fenstern kommt es vor allem auf die Glasqualität an. Die folgende Tabelle zeigt anhand der Standard-Fenstergröße von 1,23 x 1,48 m, welche Uw-Werte für gesamte Fenster sich ergeben, wenn verschiedene Rahmenqualitäten mit verschiedenen Glasqualitäten kombiniert werden.

Bei den Glasqualitäten ist dabei textlich angegeben, welche Eigenschaften ein Glas haben muss, um bestimmte Ug-Werte zu erreichen. Uraltes Einfachglas hatte Ug-Werte über 5 W/m²K. Unbeschichtetes Zweifach-Isolierglas, wie es 1965-90 vor allem verbaut wurde, hat Ug-Werte zwischen 3,2 und 2,8 W/m²K. Beschichtetes Zweischeiben-Wärmeschutzglas aus 1985-2000 hat Ug-Werte zwischen 1,5 und 1,3 W/m²K, nach Baujahr 2000 dann zwischen 1,3 und 0,9 W/m²K.  3-Scheiben-Wärmeschutzglas hat Ug-Werte zwischen 0,8 und 0,5 W/m²K. Ein neues 3-Scheiben-Wärmeschutzglas lässt mit einem Ug-Wert von 0,6 W/m²K also 98 % weniger Wärme durch, als ein altes Einfachglas und 80 % weniger, als ein Zweischeiben-Isolierglas der 1980er Jahre. Allein im Austausch alter gegen neue Verglasungen liegt damit ein ganz erhebliches Energieeinsparpotenzial, mit dem zugleich eine deutliche Verbesserung des thermsichen Komforts im Inennraum verbunden ist, da die warmen Scheiben im Winter raumseitig deutlich wärmer sind, als frühere Scheiben.

Der geringe Wärmedurchgang von Wärmeschutzglas resultiert vor allem aus seiner mit dem bloßen Auge nicht erkennbaren Beschichtung. Diese bewirkt, dass zwar sichtbares Licht durch das Glas hindurch dringen kann, jedoch nicht mehr Wärmestrahlung im Infrarot-Wellenlängenbereich. Die aus dem beheizten Raum im Winter abstrahlende Wärme im Infrarot-Bereich wird vielmehr von der Beschichtung der Scheibe wie von einem Spiegel in den Raum zurück reflektiert.

Nebenstehendes Foto zeigt den sog. „Feuerzeugtest“ einer Zweifach-Glasscheibe. Man sieht darauf vorn die Feuerzeugflamme und links dahinter vier Wiederspiegelungen. Die zweite Wiederspiegelung hat dabei einen deutlichen Rotstich. Je nach Glashersteller kann die Farbabweichung auch grünlich oder bläulich sein.  Ist eine solche Farbabweichung bei einer der Wiederspiegelungen vorhanden, dann hat die Scheibe dort eine Beschichtung und es ist bereits eine „warme“ Wärmeschutzglas-Scheibe mit Ug-Wert zwischen 0,9 und 1,5 W/m²K ist. Haben dagegen alle vier Wiederspiegelungen den gleichen Gelbton wie die echte Feuerzeugflamme, dann ist es noch ein altes unbeschichtetes Isolierglas mit Ug-Wert zwischen 2,8 und 3,1 W/m²K.  Weiß jemand nicht, ob sein Zweischeiben-Glas „kaltes“ Isolier- oder warmes“ Wärmeschutzglas ist, kann er dies mit einem solchen Feuerzeugtest prüfen. Am besten geht das, wenn es außen dunkel ist.

Wie warm vorhandene Rahmen sind, lässt sich nicht so einfach feststellen, da es im Lauf der Jahrzehnte sehr viele Rahmenbauarten gab. Vereinfacht kann folgendes gelten:

Die traditionell kältesten Rahmen sind Stahl- und Aluminiumrahmen mit von innen nach außen durchgehendem Metallprofil; sie haben Uf-Werte um 4 W/m²K. Solche Rahmen kommen in Wohnräumen nur selten vor, häufig aber in Schulen, Gewerbebauten sowie an Haustüren. Man erkennt sie daran, dass in der seitlichen Ansicht zwischen inerem und äußerem Aluminium kein Kunststoff-Zwischenelement vorhanden ist.

 

Als kalt gelten auch noch Aluminiumrahmen, die nur eine relativ schmale (1-1,5 cm breite) thermische Trennung zwischen innerem und äußerem Akluminium haben. Sie haben – je nach Dicke dieses Abstandshalters – Uf-Werte zwischen 1,8 und 2,6 W/m²K.

 

 

 

Moderne Alumiumrahmen sind aber auch mit guter Wärmedämmung zwischen Innen- und Außenschale lieferbar bis hin zur Passivhaus-Komponentenqualität. Das rechts abgebildete Musterstück eines deutschen Herstellers hat z.B. einen Kunststoffkern von fast 4 cm Breite und einen Uf-Wert um 0,72 W/m²K und ist damit sehr warm. Wer aus Stabilitäts- oder Einbruchsschutzgründen Aluminiumrahmen einbauen möchte, kann diese also auch in „warmer“ Ausführung erhalten.

 

 

 

 

Bei Holz-Fensterrahmen gibt es ebenfalls eine große Bandbreite von Uf-Werten. Die nur 25-30 mm dicken Flügel alter Einfachfenster, die noch bis Ende der 1950er Jahre verbaut wurden, hatten je nach Holzart und Profilierung Uf-Werte zwischen 2,2 und 2,8  W/m²K.  Aus zwei Einfachfenstern kombinierte aufklappbare Holz-Verbundfensterrahmen aus 1955-70 ereichten 1,7-2,2 W/m²K. Seit der Einführung des Zweischeiben-Isolierglases Anfang der 1960er Jahre wurden einlagige Holzrahmen mit 55 bis 65 mm Rahmendicke üblch. Sie erreichen Uf-Werte zwischen 1,8 und 2,2 W/m²K. Heute angebotene Vollholzprofile mit 78-90 mm Dicke erreichen je nach Holzart und Profil Uf-Werte zwischen 1,2 und 1,6 W/m²K.

 

 

Wünscht man besonders warme Holzrahmen, gibt es auch hier inzwischen Weiterentwicklungen bis hin zur Passivhaus-Qualität. Solche „Holz-Warmfenster“ haben Mittelschichten aus Leichtholz, PU-Dämmstoff oder luftgefüllten Hohlkörpern und erreichen Uf-Werte bis herab zu 0,7 W/m²K.  Anbieter finden Sie im Internet unter „Passivhaus Holzfenster“. Sollen Holzfenster an mit Regen beaufschlagten Seiten des Hauses montiert werden, empfehlen sich außenseitig Aluabdeckungen auf den wichtigsten Kanten oder vollflächig.

 

 

Auch bei den Kunststoffenstern hat sich seit ihrer Einführung in den 1960er Jahren viel getan. Die ersten 3-Kammer-Profile mit 45 mm Rahmendicke hatten noch Uf-Werte um 2,8 W/m²K.  In den 1980er und 1990er Jahren waren 4- und  5-Kammer-Profile mit Uf-Werte von 1,8 bis 1,5 W/m²K üblich. Heute werden auch leere 6- bis 8-Kammer-Profile mit Uf-Werten bis herab auf etwa 1,0 W/m²K (mit Stahleinlage) bzw. bis zu 0,9 W/m²K (ohne Stahleinlage) angeboten. Am wärmsten sind Kunststoffrahmen mit Dämmstoff-Füllung in den Hohlräumen, die als Einschiebling oder als Ausschäumung gestaltet sein kann. Gedämmte Kunststoffrahmen erreichen Uf-Werte bis 0,75 W/m²K und sind dann passivhaustauglich.

Ob man vorhandene Rahmen belassen kann und nur neue wärmere Scheiben einbauen oder ob man ganz neue Fensster einbauen sollte, die dann auch meist wärmere Rahmen haben und eine Nutzung von 3-fach-Glas ermöglichen, muss individuell abgewogen werden. In dem auf folgendem Bild gezeigten Wohnraum mit großem Dachüberstand, völlig intakten Holzrahmen aus 1965 und sehr großen fest eingebauten Einfach-Glas-Scheiben haben wir z.B. empfohlen, nur die Verglasungen auszutauschen, da die Rahmen hier noch weitere 50 Jahre halten können. In anderen Häusern, in denen die Rahmen und Beschläge angegriffen oder veschlissen sind und keine weiteren 40 Nutzungsjahre erwarten lassen, ist dagegen oft ein Einbau ganz neuer Fenster sinnvoller.

Bei der Erneuerung von Fenstern und Außentüren kann man bei Bedarf außer auf besseren Wärmeschutz auch auf erhöhten Schallschutzes und Einbruchsschutzes achten. Informationen hierzu bieten das Fachhandwerk und die Polizei.

Wer Fenster erneuern möchte, kann dafür von der KfW-Bank aus dem Programm „Energieffizient Sanieren“ zinsgünstige Darlehen oder Zuschüsse erhalten, wenn die Fenster und die umgebenden Bauteile die KfW-Mindestanfordeungen einhalten.

Erhöht 3-fach-Verglasung das Schimmelrisiko ?

Vielfach hört man, 3-fach-Fenster im Altbnau würden das Schummelrisiko erhöhen. Dies ist falsch. Sie sind daher in beheizten Räumen immer empfehlenswert. Allenfalls ihr höheres Gewicht kann ihre Einsatzmöglichkeiten beschränken.

Tatsächlich kann durch den Einbau neuer Fenster das Feuchte- oder Schimmelrisiko zunehmen. Dies ist aber unabhängig davon, ob die neuen Fenster 2-fach- oder 3-fach-Verglasungen haben. Das höhere Schimmelrisiko kommt nämlich daher, dass alle neuen Fenster sehr luftdicht sind, und damit die bisherige „Fugenlüftung“ entfällt. Die nötige Feuchteabfuhr aus dem Raum, die früher teilweise durch Fensterfugen erfolgen konnte, muss daher nach der Fenstererneuerung durch mehr aktives Lüften ausgeglichen werden. Ist dies nicht möglich, weil man nur wenig zuhause ist, sollte man Lüftungselemente in die Fensterrahmen, eine Dunstabnzuhgshaube in die Küche und einen automatischen feuchtegesteuerten Abluftventilator in das Bad einbauen, die dann auch für eine sichere Feuchteabfuhr sorgen.

 


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