Lippisches Luftschichtmauerwerk

Nachträgliche Wärmedämmung
von (lippischem) Luftschicht-Mauerwerk

 

In Ostwestfalen-Lippe und im Münsterland, wo wir überwiegend tätig sind,  gibt es ein eine spezielle Variante zweischaligen Mauerwerks mit 31-32 cm Gesamtdicke, bestehend aus einer je 11,5 cm breiten Vor- und Hintermauer mit dazwischen 6-8 cm Luftspalt. Sie wird hier „Lippisches Luftschichtmauerwerk“ genannt. Die Innenoberfläche ist verputzt, die Außenseite meistens auch, selten ist es Sichtklinker. Diese Bauweise kommt in Häusern aus Baujahren von kurz vor 1900 bis etwa 1960 vor. Die Luftschichten sind oben zur Traufe oder zum Dachboden manchmal offen, meist aber geschlossen. Zu einbindenden Holzbalkendecken sind sie häufig undicht, oft auch zu wandintegrierten Rollladenkästen. Bei aneinander gebauten Häusern gehen die Luftspalte oft zum Nachbarhaus durch, teils auch zu unbeheizten Garagen oder (ehemaligen) Stallanbauten. Je mehr die Hohlwand mit Außenluft durchströmt werden kann oder zu unbeheizten Gebäudeteilen durchgeht, desto kälter sind diese Wände. Je geschlossener ihr innerer Luftraum ist, desto mehr isoliert auch die Luft. Insgesamt ist der Wärmeschutz dieser Wände gering, ihr U-Wert liegt im Originalzustand je nach Randbedingungen zwischen 1,4 und 2,0 W/m²K.

Ein Vorteil der ungewöhnlich breiten Luftschicht ist, dass in sie relativ einfach viel Dämmstoff nachträglich eingebracht werden kann. Dadurch kann der vorher nur sehr geringe Wärmeschutz dieser Wände mit geringem Aufwand deutlich verbessert werden. Bläst man in eine solchen Wand z.B. 8 cm Dämmstoff mit WLG 035 ein, verringert dies den den U-Wert von vorher etwa 1,4 auf etwa 0,6 W/m²K. War die Wand vorher oben ganz offen, erfolgt sogar eine Verrringerung von ca. 2,0 auf 0,6 W/m²K. Bei glatten Wandflächen ist der Effekt höher, bei Wänden mit vielen Fenstern etwas geringer, weil rund um die Fenster beide Mauerschalen verbunden sind, was Wärmebrücken bildet, die auch nach der Verfüllung bestehen bleiben.

Die Verfüllung dieses Luftspalts mit Einblasdämmstoff ist fast immer empfehlenswert. Ein Hindergrungsgrund kann sein, wenn der Außenputz früher einmal mit einem dampfdichten Anstrich („Elefantenhaut“) gestrichen wurde, welcher das Abtrocken der Feuchte nach außen behindert. Bei solchen Häusern wird empfohlen, diese Elefantenhaus entfernen zu lassen und durch einen diffusionsoffenen Anstrich zu ersetzen und erst dann den Hohlraum zu dämmen.

Für die Dämmung solcher Luftschichtmauerwerke gibt es mehre erprobte und zugelassene Dämmstoffe:

Als Einblasdämmstoff in Luftschichtmauewerk am längsten erprobt ist Perlite, ein vulkanischer Blähton in Korngröße 2-4 mm mit Dämmwirkung WLG 045. Perlite bildet beim Einblasen Schüttkegel, kann daher nur abwärts eingebaut werden und benötigt deshalb mehr Bohrlöcher. Perlite hat einen mäßigen Staubanteil, ist unempfindlich gegen Wasser, welches durchläuft und nicht brennbar. Da Perlite nicht so gut dämmt, wie die nachfolgend genannten Dämmstoffe, wird es von der KfW-Bank im Programm „Energieeffizient Sanieren“ beim Luftschichtmauerwerk nicht gefördert.

Am häufigsten verbaut werden Polystyrol-Kügelchen (auf dem Foto „Rigi-Bead“) mit 3-6 mm Durchmesser. Dämmwirkung WLG 035. Sie sind sehr leicht und daher großräumig (auch nach oben) einblasbar. Dies benötigt weniger Bohrlöcher und geht schneller. Dafür rollen diese Kügelchen durch evtl. Undichtheiten leichter wieder heraus, weswegen es sinnvoll ist, Undichtheiten der Luftschicht vorher mit einem Nebelgebläse zu prüfen und abzudichten. PS-Kügelchen sind unempfindlich gegen Wasser, welches durchläuft und schwer entflammbar.

Ebenfalls häufig verbaut werden Steinwoll-Flocken, hergestellt aus Basaltgestein. Ihre Dämmwirkung ist auch WLG 035 und es ist nicht brennbar.  Steinwolle ist nur begrenzt tief einblasbar, da es dann stopft. Daher sind mehr Bohrlöcher nötig. Das Stopfen hat den Vorteil, dass der Dämmstoff nicht von selbst heraus rieselt. Mit Steinwoll-Einblasdämmstoff kann man z.B. gezielt offene Luftfugen zu Nachbargebäuden oder kalten Anbauten verstopfen. Eindringendes Wasser kann zwar auch durchsickern, verbleibt aber länger im Dämmstoff als bei den vorgenannten Dämmstoffen.

Ebenfalls angeboten wird SLS, ein mineralischer Silikatleichtschaum mit sehr kleiner Korngröße von 0,1-2 mm. SLS ist sehr leicht und daher großräumig einblasbar. Wegen der kleinen Korngröße hat er einen höheren Staubanteil und rieselt leichter auch durch enge Spalte heraus.  SLS ist unempfindlich gegen Wasser, welches durchläuft und nicht brennbar.

Mit 6-8 cm Einblasdämmung kann im Lippischen Luftschcihtmauerwerks zwar eine deutliche Verbesserung der Außenwanddämmung erreicht weden, die dessen energetische Qualität aber trotzdem nur vom Niveau „schlecht“ zum Niveau „mäßig“ verbessert(vgl. erste Tabelle im Blatt „Außenwände“). Um ein Luftschicht-Außenwand auf das energetische Niveau „gut“ oder „sehr gut“ zu bringen, ist eine Kombination aus Hohlraumdämmung und Außendämmung oder Hohlraum- und Innendämmung sinnvoll. Folgende Prinzipskizze zeigt diese Alternativen:

Folgende Tabelle zeigt am Beispiel einer 100 m² großen Außenwandfläche und bei angenommenen 7 Ct/kWh Wärmekosten, welche Wärmeverluste und Heizkosten über Außenwände pro Jahr und innerhalb von 40 Jahren entstehen, wenn die Wände in einer dieser sechs thermischen Qualitäten hergestellt sind das Haus normal beheizt wird. Aus den Differenzen kann man den energetischen und finanziellen Nutzen zusätzlicher Dämmschichten erkennen. Man erkennt den großen Effekt der ersten 8 cm Dämmung gegenüber der vorher leeren Luftschicht, aber auch die weiteren Möglichkeiten durch 4-18 cm Zusatzdämmung, wovon 4-8 innen möglich sind.

Möchte man zinsgünstige Kredite und/oder Zuschüsse der KfW-Bank nutzen, die bei Einzelmaßnahmen 10 % und bei Maßnahmenpaketen 15 % der Investitionskosten betragen können, darf bei der Sanierung von lippischem Luftschchtmauerwerk der Einblasdämmstoff keine höhere Wärmeleitfähigkeit als WLG 035 haben. Saniert man das ganze Haus zu einem KfW-Effizienzhaus, können für die förderfähigen Komponenten der Gebäudehülle und Haustechnik sogar bis zu 30 % Zuschuss gewährt werden (=> mehr).

Durch Innendämmung von LSM-Außenwänden kann man deren Wärmedurchgang verringern. Dies kommt z.B. dann in Frage, wenn die äußere Fassade erhalten bleiben soll oder eine Hohlraumdämmung nicht ausreicht. Sie bietet sich auch dann an, wenn eine Dämmung der Außenwände nicht am ganzen Haus, sondern nur in einzelnen Räumen erfolgen soll.  Nachteil von Innendämmungen ist die meist empfindlichere innere Oberfläche und die Verlagerung des Taupunkts im Wandaufbau nach weiter innen. Um spätere Feuchteprobleme zu vermeiden, müssen Innendämmungen in winterkalten Klimazonen daher individuell sachkundig geplant und sorgfältig montiert werden und müssen ihre feuchtetechnisch wichtigen Schichten pfleglich behandelt werden.  Hierzu beraten wir Sie gerne im Detail (=> mehr)

 

 

 

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